Experten: Bedrohung oder Segen der Demokratie?

Anmeldung:

Die Anmeldung zur Veranstaltung wird voraussichtlich Anfang Juli 2022 beginnen.

Datum, Ort:

07./08.12.2022

Tagungsort:

Berlin-Brandenburgische Akademie für Wissenschaften
Leibniz-Saal

Jägerstaße 22-23
10117 Berlin

Ziel und Inhalt der Veranstaltung

In der Demokratie wird um das richtige Maß der Einbeziehung von Expertise gerungen. Dabei steht die Demokratie vor der Herausforderung, weder populistischen noch expertokratischen Tendenzen nachzugeben. Schließlich drohen sowohl Expertokratie als auch Populismus, die Institutionen und Verfahren liberaler Demokratien auszuhöhlen. Moderne Staaten sind auf Experten und deren Wissensinput angewiesen, um handlungsfähig zu sein und legitime Entscheidungen treffen zu können. Hierdurch erlangen Experten zwangsläufig eine gegenüber sonstigen Bürgern hervorgehobene Stellung. Sollte sich Expertise nicht als „objektiv“ bzw. „neutral“ erweisen, erzeugt dies demokratietheoretische Friktionen, weil insoweit Experten die Möglichkeit, politischer Einflussnahme zukäme.

Gegen die Annahme, dass Expertise als neutral und Experten daher als austauschbar angesehen werden können, scheint der vielfach beobachtbare Expertendissens zu sprechen. Anders lässt sich ferner kaum erklären, weshalb diejenigen Experten, denen im besonderem Maße Gehör geschenkt wird, von der Politik und nicht ihrerseits von Experten ausgewählt werden.

In welcher Weise Expertise in die hoheitliche Entscheidungsfindung einbezogen und wer als Experte gehört wird, ist demnach demokratietheoretisch relevant. Schließlich hängt hiervon ab, ob die in Expertise potentiell enthaltenen Vorannahmen sowie die Gesichtspunkte, über die politisch entschieden werden muss, erkannt zu werden vermögen. Vor diesem Hintergrund gerät sowohl die institutionelle Ausgestaltung von Expertengremien, der Umgang der Politik mit Wissen, die demokratische Institutionenordnung als auch das Wissenschaftssystem in den Blick. Schließlich tragen sie allesamt dazu bei abzusichern, dass Expertise in hoheitliche Entscheidungsfindungen einbezogen werden kann, ohne den demokratischen Entscheidungsprozess hierdurch auszuhöhlen.

Die interdisziplinäre Tagung geht der Rolle und Bedeutung von Expertise im Spannungsfeld von Demokratie, Expertokratie und Populismus nach und fragt, wie viel Expertise die Demokratie braucht und welche Sicherungsmechanismen zu ergreifen sind, um expertokratischen Zügen rationaler Entscheidungsfindung vorzubeugen. Im Rahmen von drei Panels, die sich Expertise als Bedingung und Herausforderung von Demokratie, den Institutionalisierungsformen zur Verarbeitung der Ambivalenz von Expertise für die Demokratie sowie der Verarbeitung der Problematik im Rahmen des Wissenschaftssystems widmen, wird diesen Fragen auf verschiedenen Ebenen nachgegangen.

Die Veranstaltung richtet sich neben der Wissenschaft u.a. an alle Entscheidungsträger, die in gesellschaftlich relevanten Bereichen, wie der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, demokratisch legitimierte Entscheidungen unter Einbeziehung von Expertenwissen zu treffen haben.

Darüber hinaus dürfte das Thema der Tagung mit ihren verfassungs- und wissenschaftsrechtlichen Aspekten aber auch vor allem wegen ihres Bezuges zu derzeit aktuellen politischen Gegebenheiten (Pandemie und Folgen des Ukraine-Krieges) von erheblicher, allgemeiner Bedeutung sein und daher auch Interessenten ansprechen, die über keine Entscheidungsfunktionen verfügen.

Programm

Stand 28.06.2022

Mittwoch, 07.12.2022

12:00 Uhr: Ankunft und gemeinsamer Imbiss

13:00 Uhr: Begrüßung
Dr. Michael Stückradt

Panel I: Expertise als Bedingung und Herausforderung von Demokratie

13:15 Uhr: Expertise als Bedrohung der Demokratie
PD Dr. Alexander Bogner

13:45 Uhr: Demokratie zwischen Populismus und Expertokratie
Prof. Dr. Claudia Landwehr

14:15 Uhr: Realismus als rechtliche Notwendigkeit von Demokratien
Prof. Dr. Christoph Möllers

14:45 Uhr: Diskussion
Moderation: RA Prof. Dr. iur. Hubert Detmer

15:15 Uhr: Kaffeepause

15:45 Uhr: Podiumsdiskussion
Prof. Dr. Eva Barlösius
Prof. Dr. Norbert Lammert
Prof. Dr. Armin Nassehi
Moderation: Jan-Martin Wiarda

Panel II: Lösungsstrategien als Antwort auf die Ambivalenz von Expertise für die Demokratie?

17:15 Uhr: Das BVerfG als systemimmanentes Problem oder als Teil der Lösung
Prof. Dr. Ulrich Haltern, LL.M. (Yale)

17:45 Uhr: Alltagswissen und alternative Expertisen in der Demokratie
Dr. Eva Krick

18:15 Uhr: Diskussion
Moderation: Prof. Dr. Laura Münkler

Abendessen

18:45 Uhr: Abendessen

19:30 Uhr: Dinner Speech
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Markschies
Moderation: Prof. Ulf Pallme König

Donnerstag, 08.12.2022

Panel III: Herausforderungen für das Wissenschaftssystem

09:00 Uhr: Wissenschaftskommunikation als Lösung?
Prof. Dr. Harald Lesch

09:30 Uhr: Peer-Review als Qualitätgarant?
Prof. Dr. Isabell M. Welpe

10:00 Uhr: Demokratiesicherung qua Ausgestaltung des Wissenschaftssystems?
Prof. Dr. Klausur Ferdinand Gärditz

10:30 Uhr: Diskussion
Moderation: Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte

Abschlussdiskussion

11:15 Uhr: Expertise demokratisch denken
Prof. Dr. Laura Münkler
Moderation: Prof. Ulf Pallme König

12:00 Uhr: Verabschiedung
Dr. Michael Stückradt

12:15 Uhr: Mittagessen

Referentinnen und Referenten

Prof. Dr. Eva Barlösius
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover | Lehrstuhl am Institut für Soziologie
Leibniz Zentrum für Wissenschaft und Gesellschaft

PD Dr. Alexander Bogner
Österreichische Gesellschaft für Soziologie | Präsident

Prof. Dr. Klaus Ferdinand Gärditz
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn | Lehrstuhl für Öffentliches Recht

Prof. Dr. Ulrich Haltern, LL.M. (Yale)
Ludwig-Maximilians-Universität München | Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Europarecht und Rechtsphilosophie

Dr. Eva Krick
ARENA Centre for European Studies, University of Oslo | Postdoctoral Researcher

Prof. Dr. Norbert Lammert
Konrad-Adenauer-Stiftung | Vorsitzender Bundestagspräsident a.D.

Prof. Dr. Claudia Landwehr
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz | Lehrstuhl für Theoretische Politik und Public Policy

Prof. Dr. Harald Lesch
Ludwig-Maximilians-Universität München | Lehrstuhl für Physik

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Markschies
Berlin Brandenburgische Akademie der Wissenschaften | Präsident und Professor für Antikes Christentum an der Humboldt-Universität Berlin

Prof. Dr. Christoph Möllers
Humboldt-Universität zu Berlin | Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie

Prof. Dr. Armin Nassehi
Ludwig-Maximilians-Universität München | Lehrstuhl am Institut für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie

Prof. Dr. Isabell M. Welpe
Technische Universität München | Lehrstuhl für Strategie und Organisation Bayrisches Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung | Wissenschaftliche Leiterin

Jan-Martin Wiarda
Wissenschaftsjournalist

Organisationskomitee

RA Prof. Ulf Pallme König
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf | Kanzler a. D.

RA Prof. Dr. iur. Hubert Detmer
Deutsche Hochschulverband | stellv. Geschäftsführer

Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte
Universität Duisburg-Essen | Lehrstuhl am Institut für Politikwissenschaften und Direktor der "NRW School of Governance"
Deutscher Hochschulverband | Vizepräsident

Prof. Dr. Laura Münkler
Julius-Maximilians-Universität Würzburg | Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie

Dr. Michael Stückradt
Kanzler der Universität zu Köln

Tagungshinweise

Teilnehmerbeitrag

350,- EUR
200,- EUR für Vereinsmitglieder* / Mengenrabatt**

*Persönliche Mitglieder und Mitarbeiter kooperativer Mitglieder (zur Liste der kooperativen Mitglieder).

**Für Nichtmitglieder - Mengenrabatt für Veranstaltungspreise: Für die erste angemeldete Person einer Einrichtung gilt der Preis für Nichtmitglieder, ab der zweiten Person aus derselben Einrichtung gelten die Mitgliederpreise.

Die Rechnung erhalten Sie per Mail nach der Anmeldung. Der o.g. Teilnahmebeitrag ist im Vorfeld der Tagung zu zahlen. Im Falle einer Absage der Teilnahme wird eine Bearbeitungsgebühr erhoben, sofern kein*e Ersatzteilnehmer*in benannt wird. Sie beträgt 50 % des Teilnahmebeitrags bei einer Absage bis zum ersten Tag der Veranstaltung. Bei einer späteren Abmeldung bzw. Nichterscheinen beträgt sie 100 % des Teilnahmebeitrags.

Kontakt

Fragen zur Tagung
René Karsuntke | +49 30 284938-48 | tagung(at)vfdiw.de

Geschäftsstelle
Verein zur Förderung des deutschen & internationalen Wissenschaftsrechts e.V.
c/o con gressa GmbH
Engeldamm 62
10179 Berlin

Maria Kepinska | T. +49 30 284938-45 | H. +49 0176 55 21 14 06 | info(at)vfdiw.de